SCHAU MAL INS MUSEUM

Einfach schön! Glasdesign von Vittorio Zecchin

Vasen oder Mineralwasserflaschen, Kopfhörer oder Möbel: Die Dinge um uns sehen nicht zufällig so aus, wie sie aussehen. Sie sind bewusst gestaltet. Wir finden sie schön – oder eben nicht. Neben kurzlebigen Moden gibt es zeitlose Formen, die über Jahrhunderte hinweg Bestand haben. Der italienische Graphiker und Designer Vittorio Zecchin hat in der Zeit des Jugendstils und Art déco gearbeitet und unter anderem klassisch elegante Glasgefäße entworfen.
Vittorio Zecchin lebte von 1878 bis 1947 und arbeitete zunächst als Maler, später als Graphiker und Designer. Während des 1. Weltkrieges richtete er sich in einem Kloster auf der Insel Murano bei Venedig eine Werkstatt für Tapisserien, also Wandteppiche, ein. Hier entstanden auch seine ersten Glas-Entwürfe. Zecchin arbeitete bis 1926 als künstlerischer Leiter der Firma „Vetri Soffiati Muranesi Cappellin Venini & C.“ Diese Firma hatte ihren Sitz ebenfalls auf Murano, dem jahrhundertealten Zentrum der europäischen Glasherstellung.

Als Maler orientierte sich Zecchin zunächst stark am Jugendstil. Seine Werke erinnern an die des berühmten Jugendstilkünstlers Gustav Klimt. Für die Gläser von Cappellin und Venini suchte Zecchin eine andere, sehr klassische Formensprache, die wir zum Teil schon aus der Antike kennen. Ornamente, die im Jugendstil eine große Rolle spielen, findet man an seinen Objekten kaum mehr. Wichtig waren ihm klare Umrisse und sehr zarte, durchscheinende Farben.

Dabei ließ sich der Designer von Vorbildern aus dem 16. und 17. Jahrhundert anregen. Besonders berühmt wurde seine „Veronese-Vase“. Eine solche Vase aus farblosem Glas findet sich auf einem Bild von Paolo Veronese aus dem Jahr 1578. Das Gemälde befindet sich in Venedig in der Gallerie dell’Accademia. Zecchins „Veronese-Vase“ wird bis heute in vielen Farben hergestellt.

In den Kunstsammlungen der Veste Coburg befindet sich ein anderes interessantes Vergleichsobjekt in der historischen Glassammlung, die einst Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha zusammengetragen hat. Der venezianische Trinkpokal aus der Zeit um 1860/1870 entspricht in seinen Formen fast genau dem Modell CV1669 von Zecchin aus der Zeit von 1921-1923. Beide Trinkpokale werden in der Ausstellung einander gegenüber gestellt.

Die Ausstellung „Vittorio Zecchin – Glas für Cappellin und Venini“ bietet Raum, sich mit Ästhetik und Gestaltungsprinzipien auseinanderzusetzen. Unter Ästhetik verstehen wir allgemein das Schöne, oder die Lehre vom Schönen. Bei Zecchins Objekten fällt besonders das Prinzip der Symmetrie ins Auge. Das kennt ihr aus der Geometrie. Wenn eine Form entweder durch Spiegelung an einer Achse oder durch Drehung um einen Punkt auf sich selbst abgebildet werden kann, dann spricht man von Symmetrie. Symmetrien kommen in der Natur, in der Kunst und in der Architektur vor und werden meist als harmonisch und schön empfunden. Ob ihr die Arbeiten Zecchins als schön und harmonisch empfindet, könnt ihr bei einem Ausstellungsbesuch nun selbst herausfinden!

Cornelia Stegner, M.A.

Die Ausstellung „Vittorio Zecchin – Glas für Cappellin und Venini“ ist bis 10. Januar 2021 in den Kunstsammlungen der Veste Coburg zu besichtigen. Das Vermittlungsprogramm wird den aktuellen Gegebenheiten angepasst.

https://veste.kunstsammlungen-coburg.de/zecchin/

Dieser Beitrag erscheint im Juni 2020 unter der Rubrik „Schau mal ins Museum“ im:

oben: Vittorio Zecchin/Venini: Veronese-Vase, Entwurf 1921-1922, Ausführung 1950er Jahre, Frauenau Glasmuseum; Foto: Kunstsammlungen der Veste Coburg

unten: Paolo Veronese: Verkündigung an Maria, Detail; Foto: Venedig, Gallerie dell‘ Accademia

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