SCHAU MAL INS MUSEUM

Die Fächersprache – ein Werbegag?

Was bastelt man im Sommer gerne aus Papier, um sich abzukühlen? Richtig, einen Fächer. Vielleicht hast du das auch schon einmal in einem Film gesehen: Frauen mit aufwändigen Kleidern, großen Perücken und einem Fächer in der Hand. Im Fürstenbau der Kunstsammlungen findest du einen vergoldeten Perlmutt-Fächer in einer Vitrine. Perlmutt ist ein Material aus dem Inneren von Muscheln. Aber hast du auch schon davon gehört, dass Fächer nicht nur zum „Luftwedeln“ benutzt wurden, sondern auch einen ganz anderen Zweck haben sollten? Tatsächlich ist die Vorstellung weit verbreitet, dass es im 18. und 19. Jahrhundert eine geheime „Fächersprache“ gab. Eine Art Code, um sich ohne Wort zu verständigen. Aber woher kommt diese Sprache? Und wie ist sie entstanden? Dahinter steckt eine lustige Geschichte – ein Werbegag, würden wir heute sagen.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden Fächer nicht mehr nur zum Kühlen benutzt. Sie waren vielmehr ein modisches Accessoire, wie Ohrringe oder Ketten. Fächer in den unterschiedlichsten Ausführungen und Dekoren gehörten einfach zum Outfit dazu. Sie eigneten sich als Hilfsmittel, um die Aussage der weiblichen Körpersprache zu unterstützen. Das war zum Beispiel beim Flirten der Fall. Eine Dame hat den Fächer ganz zufällig fallen lassen und gleich kam ihr ein Mann zu Hilfe geeilt, um ihn wieder aufzuheben. So hatte er einen unverfänglichen Grund, sie anzusprechen. Praktisch, oder?

Bei der geheimen Fächersprache aber wurden Gesten, die eine Dame mit dem Fächer macht, in konkrete Aussagen übersetzt. Bis heute bleibt die Frage offen, in welchem Umfang und zu welchen Zeiten es eine geheime Fächersprache gab. Manche Menschen gehen davon aus, dass sich eine Fächersprache in Spanien entwickelte, die aber auf diesen Raum begrenzt war.

Eine Fächersprache, wie wir sie vielleicht aus Filmen oder vom Hörensagen kennen, hatte ihren Ursprung höchstwahrscheinlich in einer Werbemaßnahme neueren Datums. Im 19. Jahrhundert gab es in Paris zwei große Fächerhersteller. Einer davon hieß Duvelleroy. Er hatte eine clevere Idee, um seine Fächer besser zu vermarkten. Er legte seinen Produkten Zettel bei, die eine Anleitung zur Fächersprache enthielten. Somit war die Fächersprache aus einer Werbemaßnahme geboren.

Diese Fächersprache wurde beliebt und war vor allem um 1900 sehr verbreitet. Es soll sogar Kurse und Unterricht geben haben, in denen die Fächersprache erlernt werden konnte. Die Damen mussten wissen, wie die Gesten richtig auszuführen sind. Auch der, an den die Botschaften gerichtet waren, mussten sich mit der Fächersprache auskennen. Nur so konnte man die geheimen Signale entschlüsseln und verstehen. Diese Form der Kommunikation war somit eine sehr diskrete Art und Weise, jemandem seine Absichten zu vermitteln.

Johanna Rieger, Praktikantin der Kunstsammlungen der Veste Coburg

Dieser Beitrag erscheint im April 2020 unter der Rubrik „Schau mal ins Museum“ im:

Vielleicht hast du ja einen Fächer zu Hause? Oder du bastelst dir einen? Im Internet findest du viele Anleitungen. Probiere die geheime Fächerspräche doch mal aus. Du kannst sie um deine eigenen Botschaften ergänzen. Fotos von Dir und Deinem Fächer kannst du uns mailen an: c.stegner@kunstsammlungen-coburg.de. Wir sind gespannt!

Hier sind ein paar Beispiele der Gesten und Botschaften aus dem 19. Jahrhundert.

  • Fächer in der rechten Hand vor das Gesicht halten: Folge mir!
  • Fächer an das linke Ohr halten: Ich möchte, dass du mich in Ruhe lässt!
  • Fächer über die Wange gleiten lassen: Ich liebe dich!
  • Fächer am äußeren Rand mit dem Finger berühren: Ich möchte mit dir sprechen.
  • Fächer auf der rechten Wange ruhen lassen: Ja
  • Fächer auf der linken Wange ruhen lassen: Nein
  • Fächer offen in der linken Hand halten: Komm und unterhalte dich mit mir.
  • Fächer hinter den Kopf halten: Vergiss mich nicht!
  • Fächer langsam fächeln: Ich bin verheiratet.
  • Schnell fächeln: Ich bin verlobt.

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