SCHAU MAL INS MUSEUM

Heute wird geputzt!

Ob Pistole, Gemälde oder Kunsthandwerk: Wenn Objekte aus den Kunstsammlungen für eine Sonderausstellung vorbereitet werden, ist immer Fingerspitzengefühl gefragt. Restaurator Heiner Grieb hat für die aktuelle Studio-Ausstellung „Kurios & Kostbar ─ Kunststücke aus der herzoglichen Gewehrkammer“ ein wertvolles Pistolenpaar gereinigt und neu konserviert. Konservieren bedeutet, dass Sachen einen Schutz erhalten. Der Begriff taucht auch in der „Konserve“ auf, in der zum Beispiel Obst geschützt und somit länger haltbar gemacht wird.

Das Pistolenpaar entstand vor über 300 Jahren in der berühmten Augsburger Büchsenmacher-Familie Wetschgi. Für seinen Besitzer war es purer Luxus. Ein Statussymbol, wie heute vielleicht ein Sportwagen oder eine Schweizer Uhr.

So eine Wetschgi-Pistole besteht aus 50 Einzelteilen. Um 1700 wurden viele Teile schon seriell hergestellt. Trotzdem musste jedes einzelne Teil noch von Hand nachbearbeitet und an die anderen angepasst werden.

Die kostspieligen Waffen wurden über die Jahrhunderte gehegt und gepflegt und dazu immer wieder geölt, gefettet oder gewachst. Mit der Zeit verschmutzten diese alten Schutzüberzüge. Manche wurden auch falsch angewendet, so dass sie das Objekt sogar schädigen können und dringend entfernt werden müssen. Zum Reinigen zerlegt der Restaurator die Pistolen. Die Teile bestehen aus unterschiedlichen Materialien: Stahl, Messing und Holz. Jedes Material hat andere Eigenschaften. Die Metallteile werden in ein Bad mit dem Lösungsmittel Aceton gelegt. Dies entfernt einen großen Teil der Verschmutzungen aus Fetten, Wachsen oder Ölen. Feste Schichten wie verharztes Öl oder Rost werden mit einem Strahlgerät durch Druckluft entfernt. Der Strahl muss ganz fein einstellbar sein, deswegen kommen hier Geräte wie beim Zahnarzt zum Einsatz. Gestrahlt wird mit gemahlenen Walnussschalen, die nur die Schmutzschicht abreiben und die Oberflächen nicht beschädigen.

Nach einer weiteren Reinigung mit Lösungsmittel werden die Metallteile mit einem Pinsel mit mikrokristallinem Wachs neu überzogen. Es besteht aus sehr kleinen Kristallen. Solches Wachs kommt auch in der Lebensmittelindustrie zum Einsatz.

Was passiert aber, wenn Teile fehlen? Bei einer der Pistolen ist der so genannte Pfannendeckel, der   das Zündkraut in der Pulverpfanne vor dem Herausfallen und vor Feuchtigkeit schützen soll, verloren gegangen! Weil die zweite Pistole vollständig ist, kann Heiner Grieb in diesem Fall mit einem Abguss arbeiten. Das Originalteil formt er ab und stellt in der Sandgusstechnik ein Ersatzteil her. Diese Ergänzung soll die Pistole für die Ausstellung vervollständigen, aber keinesfalls die moderne Zutat verheimlichen. Deswegen hat Grieb das Ersatzteil aus weichem Zinn erstellt, welches aus technischen Gründen niemals für eine Pistole verwendet worden wäre. Die neuen Schrauben, mit denen er den Ersatz an die Pistole montiert, müssen mit einer Spezialfolie abgedeckt werden, damit die unterschiedlichen Stoffe nicht miteinander reagieren und so vielleicht zu Schäden führen.

Nach dieser aufwändigen Schönheitskur dürfen die Wetschgi-Pistolen endlich in die Ausstellung, wo ihr sie bis 24. April 2022 noch sehen könnt.

Cornelia Stegner, M.A.

Dieser Beitrag erschien im November 2021 unter der Rubrik „Schau mal ins Museum“ im:

Die wertvolle Pistole aus der Zeit um 1700 besteht aus insgesamt 50 Einzelteilen

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