#11 Winziger Neuzugang für die Rüstkammer
Ein winziger Neuzugang für die Rüstkammer der Veste verzaubert große und kleine Veste-Besucher
Mit dem Harnisch für den „Hofzwerg“ Ruppert besitzen die Kunstsammlungen der Veste Coburg bereits eine außergewöhnlich kleine Rüstung. Nun ist auf der Veste aber ein Harnisch zu Gast, der selbst neben „Hofzwerg Ruppert“ ein Winzling ist. Angelehnt an den Harnisch Rupperts aus dem späten 16. Jahrhundert schuf der kanadische Künstler Jeff de Boer im Herbst 2025 diese Rüstung im Mäuse-Format.
Ihr komplexer Herstellungsprozess vereint die historischen Techniken der Plattner (Harnsich-Schmiede) mit der kleinteiligen Arbeit eines Goldschmieds und erschafft so ein faszinierendes Werk der Handwerkskunst.
Eine lebendige Maus steckte natürlich nie in diesem Harnisch. In seinem Miniaturformat und der meisterlichen handwerklichen Ausführung hätte er aber wohl auch in der Zeit Herzog Johann Casimirs von Sachsen-Coburg (1564–1633) in so mancher Kunstkammer einen Platz gefunden.
Der Künstler Jeff de Boer
Der kanadische Künstler Jeff de Boer lebt und arbeitet in Calgary. Als Sohn eines Klempners war er schon früh mit der Bearbeitung von Blech vertraut. Harnische faszinierten ihn bereits als Kind und früh erlernte er auch Schmiedetechniken. Auf seinen Schulabschluss folgte ein Studium in Schmuckdesign an der Hochschule für Kunst und Design in Alberta/Kanada. Noch während seines Studiums fertigte er 1986 den ersten Harnisch für eine Maus. Seitdem lebt und arbeitet er als freier Künstler.
Im Zeitalter von AI und 3D-Druckern arbeitet Jeff de Boer in traditionellen Handwerkstechniken. Fasziniert und inspiriert von der Kunstfertigkeit historischer Objekte, möchte er diesen Werken seine eigenen an die Seite stellen. Mit ihrem Wechselspiel aus spielerischer Form und handwerklicher Präzision sprechen seine Mäuse-Rüstungen Menschen ganz unmittelbar an und können so vielleicht selbst zu einer Quelle des Nachdenkens und der Inspiration werden.
Von der Zeichnung zum Harnisch
Ausgangspunkt des Mäuseharnischs war eine erste Entwurfszeichnung, nach der die einzelnen Teile zunächst in Ton modelliert wurden.
Von diesem plastischen Modell ausgehend wurden die Einzelteile zunächst in dünnem, leicht zu bearbeitendem Kupferblech geformt. Im nächsten Schritt fertigte der Künstler aus massivem Stahl eine dreidimensionale Form des entsprechenden Harnischteils. Dabei wird die Form immer wieder mit dem Modell abgeglichen.
Über der so entstandenen Form kann das Teil dann mit einem Hammer aus dünnem Blech geformt werden. Diese Methode erlaubt die Herstellung mehrerer identischer Stücke, denn: eine Maus kommt selten allein!
Die Vorlage für diese Miniaturrüstung bildete der Harnisch Rupperts. Wer genau hinschaut, kann die Ähnlichkeiten in Details wie den ornamentalen Nietköpfen oder der Form der Schnallen erkennen.












Kunstsammlungen der Veste Coburg









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