#10 Hintergrund: COBURG | GOTHA | 1826 Ein Herzog. Zwei Residenzen.

Das ehemalige Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha ist durch seine engen verwandtschaftlichen Verbindungen in viele Adelshäuser bis heute weltbekannt. Das Doppelherzogtum mit
Landesteilen in Franken und Thüringen entstand vor 200 Jahren im November 1826. Herzog Ernst I. besaß nun plötzlich zwei, rund 80 Kilometer voneinander entfernte Residenzen beider-
seits des Thüringer Waldes: Schloss Friedenstein in Gotha und Schloss Ehrenburg in Coburg mit den jeweils dazugehörenden Sammlungen, Bibliotheken und Archiven und später je einem eigenen Theater.

Vom 22. Mai bis 20. September zeigen die Kunstsammlungen anlässlich des 200. Jubiläums des Doppelherzogtums eine große Sonderausstellung. Wir haben Kurator Dr. Marcus Pilz zu der Ausstellung befragt.

Herr Pilz, warum schaut man sowohl in Coburg als auch in
Gotha im Jahr 2026 genau 200 Jahre zurück?

Wir feiern ein besonderes Jubiläum. Im Jahr 1826 wurde in Hildburghausen ein Vertrag unterzeichnet, durch den das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha entstand. Dieses Doppelherzogtum mit den beiden Residenzen in Coburg und Gotha wurde schnell zum Zentrum eines internationalen dynastischen Netzwerks: Queen Victoria und Prinz Albert sind da nur die berühmtesten Beispiele!

Was erwartet die Besucherinnen und Besucher der Ausstel-
lung in Coburg?
Wir werden neben den Ereignissen von 1826 besonders Herzog Ernst I. vorstellen. Geboren im politisch völlig unbedeutenden und bankrotten Kleinstaat Sachsen-Coburg-Saalfeld wurde er, 27 mit nur 22 Jahren, mitten in den Wirren der napoleonischen Zeit, Herzog. Dank guter familiärer Verbindungen, Geschick und Glück gelang es ihm, nicht nur die Existenz seines kleinen Landes zu
sichern; er saß auch an den Tischen von Königen und Kaisern, einschließlich Napoleon! Und die Stadt Coburg sollte unter ihm als Herzog mit Schloss Ehrenburg, dem Landestheater und vielen anderen Bauprojekten und auch mit den Anfängen der Kunstsammlungen ihr heutiges Gesicht erhalten.

Dr. Marcus Pilz

Welches Objekt oder welche Geschichte stellt sich derzeit für
Sie persönlich als ganz besonders spannend heraus?
Ernst liebte das Mittelalter und präsentierte sich auch selbst gern als Ritter in strahlender Rüstung. Anlässlich seiner Hochzeit ließ er bei Schloss Rosenau sogar ein Turnier abhalten. Dieser Begeisterung verdanken wir neben der neugotischen Fassade von Schloss Ehrenburg, den Schlössern Rosenau, Callenberg und Reinhardsbrunn auch die Erhaltung der Veste Coburg. Ernst
ließ sie erstmals sanieren und machte sie zu einer touristischen Sehenswürdigkeit. Das größte Objekt der Ausstellung ist also die Veste selbst!

Ausstellungstermine:

▸ 11. April bis 5. Juli 2026: Schloss Friedenstein, Gotha – Forschungsbibliothek
▸ 22. Mai bis 20. September 2026: Veste Coburg – Kunstsammlungen der Veste Coburg
▸ 14. September bis 15. Dezember 2026: Schloss Ehrenburg, Coburg – Landesbibliothek
▸ 20. Oktober bis 18. Dezember 2026: Staatsarchiv Coburg

Dezember 2025 | Johanna Rosenzweig M.A., Cornelia Stegner M.A., Dr. Marcus PilzBildnachweise: Dieter Ertel, Johanna Rosenzweig

Übrigens: Während der Corona-Pandemie haben wir einen Kinder-Blog gestartet. Die Beiträge können Sie hier abrufen.